Hunderte von deutschen Chorknaben über sechs Jahrzehnte misshandelt – Bericht

Mindestens 547 junge Mitglieder des Regensburger Domspatzenknabenchores in Deutschland wurden über einen Zeitraum von 60 Jahren körperlich und teilweise sexuell missbraucht, heißt es in einem neuen Bericht. Der Bericht wirft 49 Mitgliedern der katholischen Kirche vor, den Missbrauch zwischen 1945 und den frühen 1990er Jahren begangen zu haben. Die Opfer sagten, die Erfahrung sei wie “ein Gefängnis, eine Hölle und ein Konzentrationslager”.

Der mutmassliche Missbrauch betrifft Kinder, die sowohl die Vorschule als auch das Gymnasium der Regensburger Domspatzen besuchen, so der mit der Untersuchung des Missbrauchs beauftragte Rechtsanwalt Ulrich Weber. In dem Bericht wurde unter anderem der ehemalige Chorleiter Georg Ratzinger, der ältere Bruder des pensionierten Papstes Benedikt XVI. kritisiert. Herr Weber sagte, während Herr Ratzinger, heute 93, keine Kenntnis von sexuellem Missbrauch habe, “kann man ihn beschuldigen, in die andere Richtung zu schauen und nicht einzugreifen”. Der Bericht ist sehr kritisch gegenüber Georg Ratzinger, der den Chor 30 Jahre lang geleitet hat.

Er war von 1964 bis 1994 Chorleiter und leugnet jede Kenntnis des Geschehens. Es wurde “nie diskutiert”, während er den Chor leitete, sagte er. Er hat in der Vergangenheit zugegeben, gelegentlich Jungen geschlagen zu haben, aber er bestand darauf, sie nie zu schlagen, bis sie “schwarz und blau” waren.

Vertreter der Regensburger Domspatzen haben sich noch nicht offiziell zu dem Bericht geäußert.

Kultur des Schweigens

Bei der Vorstellung seiner Ergebnisse am Dienstag sagte Weber, die Untersuchung habe in sechs Jahrzehnten 500 Fälle von körperlichem Missbrauch und 67 Fälle von sexuellem Missbrauch ergeben. Jedoch sagte er, dass er nicht im Stande war, mit einigen ehemaligen Kursteilnehmern in Verbindung zu treten oder direkt zu sprechen. Von den 49 Kirchenmitgliedern, die den Missbrauch im Rahmen einer so genannten “Kultur des Schweigens” begangen haben, seien neun in sexuellen Missbrauch verwickelt gewesen. Er sagte, dass die mutmaßlichen Täter identifiziert worden seien, aber nicht erwartet worden seien, dass sie strafrechtlich belangt würden, weil die mutmaßlichen Verbrechen zu lange zurückliegen.